Frühlingsanfang

Frühlingsanfang, ein Wort wie ein Auftakt, ein Versprechen, das warm in die dunkle Kälte des Winters einbricht. Das dunkle Grau des Winters, die frostigen Nächte, die uns gemeinsam vor dem feurigen Kamin zusammenbrachten, verwandelt sich in verblassende Erinnerung. Der Vorhang hebt sich zu einer neuen Szenerie. Das Land atmet auf, das Licht dehnt sich aus, füllt Schatten mit Wärme, die Natur zeigt wieder ihr lieblich knospiges Gesicht. Hormonelle Frühlingsgefühle können unsere Vernunft mühelos umlenken. Sogar der vielbeschworene Frühjahrsputz, eine Geste des Neuanfangs, geht mit Leichtigkeit von der Hand.

Aber was ist er genau, dieser Frühlingsanfang? Wo beginnt er wirklich? Auf der Haut, in den Herzen oder in einer Zahl, festgehalten in den statischen Tabellen der Astronomen?

Ich folgte den Spuren des Frühlings, suchte nach Gewissheit in den Stunden des Lichts, in den Minuten, die zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang verrannen. Eine These: Tag und Nacht, im Gleichgewicht, berechnet durch die Zeit zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang. In Worms, wo ich am 17. März in einem weitläufigen Vogelschutzgebiet das physikalische Schauspiel der Sonne beobachtete; dort stimmte die Rechnung. Von Sonnenaufgang um 6:33h bis Sonnenuntergang um 18:35h waren es exakt 12 Stunden und 2 Minuten. Genauer ging es nicht in diesem Jahr.

Allerdings galt der 20. März. 10:01 Uhr als offizieller Frühlingsanfang in diesem Jahr. Ein Moment, in dem die Sonne den Äquator überschritt, die Grenze zwischen den Hemisphären überwand. Die offizielle Tagundnachtgleiche. Und doch – wie ein Naturgesetz, das sich nicht beugen lässt – hatten sich Licht und Dunkel bereits entkoppelt, war die Zeit zwischen Sonnenaufgang, 6:27h und Sonnenuntergang,18:40h bereits 12Std und 27 Minuten lang und damit schon weit entfernt von der mechanischen Definition der Tag-Nacht-Gleiche.

Rätselhaft ist es Allemal, oder warum verstehen wir so einfache Dinge nicht?

Wie so vieles, was wir mit Gewissheit zu kennen glauben und doch nicht begreifen. Vielleicht liegt es an uns, an der Enge unseres Denkens, an der stillen Übereinkunft, zu nicken, wenn andere deuten, zu glauben, wenn andere sprechen. Vielleicht aber ist es einfacher: Der Frühling kommt, gleichgültig, ob wir ihn definieren oder nicht. Er kommt in Böen, in Schauern, in Sonnenstrahlen auf der Haut. Wir können ihn nicht aufhalten, nicht in Zahlen bannen. Wir können ihn nur erleben.

Oder ist es, wie der Hesse sagen würde: Bevor isch misch uffreg, iss mers lieber egal.

Die Lösung zu diesem atemberaubenden Rätsel könnten Sie hier finden: Frühlingsanfang und Tag-Nacht-Gleiche.