In Donaueschingen beginnt die Donau am Donauursprung durch den Zusammenfluss von Brigach und Breg. Zwei KM vorher entspringt ein kleines Rinnsal, die Donau in der großartig eingefassten Donauquelle, die nach 200 Metern in die Brigach mündet, etwa als würde man in den Main pinkeln, um später dem gesamten 2846 km langen Fluss seinen Namen zu geben, bis hin zum mächtigen Donaudelta. Seltsam, aber unumkehrbar. Brigachdelta klingt provinziell.
Deutsch auch die Innenstadt von Donaueschingen, farblich perfekt abgestimmte Häuser mit aufgemalten Ornamenten, aber sehr schön gemacht. Dem SM- Fanatiker, (Social Media) ist das egal, immer tauglich für ein Selfie, auch weil sämtliche Kopfsteinpflasterstrassen unkrautfrei sind (Glyphosat?), die geraniengesäumten Brücken geben ihr ROT unschuldig dazu. Alles ist so schön.
In Neuburg an der Donau war es genauso, wie Faller Häuschen von unserer Märklin Eisenbahn, die gleichen Farben, die gleichen Ornamente, die gleichen Kopfsteinpflaster. Kunstausstellungen und Skulpturenparks. Klar die Donau war etwas breiter. Ach ja, einen Töpfermarkt im Herbst gab es auch.
In Kelheim gibt es eine alte Altstadt, im weißen Rössl ist ein Inder, in der Hauptstraße gibt’s Kebab Läden, Ein-Euro-Shops, klar auch Biergärten und Pizzabäcker in Lederhosen, auch Leerstände. Alles in den gleichen Farben wie in den Gemeinden zuvor und auch in den Gemeinden danach. Ein zartes Gelb, ein duftiges Orange oder ein Lavendelhellblau.
Das Alles ist mir so schön, dass ich es nicht mal fotografieren mochte, diese Fotografien würden meine biedern Erinnerungen zu sehr zementieren.
Das Weltenburger Kloster, eigentlich ein Riesenklosterbiergarten, ist mit dem angeschlossenen Donaudurchbruch sicherlich sehr imposant und die Donau nimmt ordentlich an Fahrt auf. Bekannte Bilder, nicht sehr überraschend.
Eine Frage beschäftigte mich daher: Ist mir alles bereits zu bekannt, durch Fotos, Filme, und Reisebücher? Mich interessierte nichts bisher wirklich, weder die Donauquelle noch der gleichnamige Durchbruch.
Oder beginnt eine Reise erst, wenn man den entsprechenden Abstand von zu Hause hat, vom allzu Bekannten?
Denn ab dem vierten Tag und meiner Ankunft in Österreich verlor sich meine Krittelei und die Wahrnehmung öffnete sich intensiver. Die Schönheit der Wachau bot sich mir an und ich nahm sie auf. Der Erlebnishunger vertiefte sich. Wann und wie kann man noch ergriffen sein? Die weitere Reise wird es mich mit atemberaubender Wucht lehren.
Die Donauauen (ein Wort mit fünf Vokalen am Stück) vor Wien zeigten sich sanft in schillernden Grüntönen, bunte Radfahrer bereicherten der Stille der Natur mit ihren Workouts.
Ein wunderbares Wiedersehen mit einem alten Freund in Wien, war so direkt, aufblühend, erheiternd, intensiv und sich im Jetzt befindend, dass es hier nichts zu suchen hat., zu privat. Jedenfalls hat es sehr gutgetan. Ich übernachtete am Straßenrand irgendwo in Wien und am nächsten Morgen ging es nach einem gemeinsamen Frühstück nach Illmitz am Neusiedler See, kurz vor der ungarischen Grenze.
Die Landschaft dort ist so flach, man könnte meinen die Erde sei eine Scheibe.
Bisher war meine Reise ehrlichgesagt nicht sehr spektakulär und trotzdem empfand ich mich in einem Flow der Langsamkeit und Gelassenheit. Ab und zu fragte ich Lotte, ob sie sich ein Vanlife Leben vorstellen könnte. In mir festigte sich diese Frage, ohne mich zu nerven.
Vanlife, also das Leben im Wohnmobil nicht als pures Abenteuer, sondern als bescheidenes und einfaches Leben, da wo man sich wohlfühlt.
Es ging weiter durch Ungarn, den Plattensee und entlang der Donau bis nach Kroatien.
Bosnien fing sehr beeindruckend an, erst mit einem Stellplatz mitten im Wald, dann die wunderbare Stadt Jajce und weiter in den Una-Nationalpark Bosnien hat mich am ersten Tag überzeugt
So schön, so freundliche Menschen und so offene Reisende und Wohnmobilisten. Tolle Landschaften. Kleine einfache Stellplätze, immer am Wasser, immer unaufdringlich freundliche Menschen. Außer Arthur. Mit einer Mitreisenden, Andrea, machten wir in Livnos eine Jeepsafari auf ein Hochplateau zu Wildpferden. So spannend entspannend, schön und friedlich, dass selbst Lotte ehrfürchtig zu den Pferden ging und sich genügsam vor sie legte. magische Momente. Sie spürte die Freiheit dieser eleganten Tiere.
Mit einer Mitreisenden machten wir in Livnos eine Jeepsafari auf ein Hochplateau zu Wildpferden. So spannend entspannend, schön und friedlich, dass selbst Lotte ehrfürchtig zu den Pferden ging und sich genügsam vor sie legte. magische Momente. Sie spürte die Freiheit dieser eleganten Tiere.
Wer jetzt denkt: schöner kann es nicht werden, der kennt Bosnien nicht. Ein Stausee (Name), Mostar, zu touristisch, und der Nationalpark Sutjeska überboten das bisher Erlebte. Vom ältesten Urwald Europas, bis zu einer Jeepsafari zum höchsten Berg Bosniens, von der hochalpinen Anreise ganz zu schweigen, umringt von steilen Bergen.
Aber es geht noch weiter. Auf bosnischer Seite entlang der Tara und auf der anderen Seite wieder zurück, die Landschaft, bestehend aus Felsen, Wald, kurvigen Straßen und immer wieder ein eindrucksvoller Blick in die Taraschlucht. Straßenhunde schauten uns hungrig an. Nach dem Grenzübertritt über eine historisch-labile Holzbrücke fuhren wir entlang der Plivaschlucht, ein visuelles Ereignis, dass sich in Millionen von Jahren zu diesem Spektakel hin geformt hat. Später wurde in kürzester Zeit ein von Menschen gemachter Stausee daraus, nicht minder schön, doch bevor man sich über die Eingriffe von Menschenhand in die Natur durch Staumauern Gedanken machen konnte, bog eine abenteuerliche Single-Track Road links ab Richtung Durmitor Nationalpark und Trsa. In kürzester Zeit hievten die engen Serpentinen das Fahrzeug durch engste handgeschlagene Tunnels, ohne Licht und Markierungen, mindestens 200m höher. Gegenverkehr und Ausweichbuchten inklusive. Es eröffnete sich ein erhabener Blick auf den Stausee und die umgrenzenden Berge, wie in Norwegen.
Aber, überall ist es schöner….. (einer meiner Lieblingsworte, weil sie so offen sind), überall ist es schöner wo es tolle Sachen gibt die wir erstreben, überall… wo wir erfolgreich sind und Anerkennung finden, überall…. wo wir gewinnen oder wie Gewinner aussehen, wo wir Andere hinter uns lassen können, weil wir die Besseren sind, überall ist es schöner, wo wir unseren anerzogenen Wertecodex erfüllen und übererfüllen., wo wir ein gelerntes Muster nachahmen. Sei der du sein sollst.
Und was machen die einfachen Leute?
Überall ist es schöner…, wo man mit wachen Sinnen lauscht, zuhört, spürt und im Einvernehmen antwortet. Wenn man spürt, dass sich ein Marienkäfer auf den Nacken setzt, wenn man unbekanntes Vogelgezwitscher versucht nachzuahmen, überall ist es schöner…, wenn das gilt: Sei der du bist und sei im Jetzt. (und wenn du nicht weißt, wer du bist, dann finde dich).
Wer jetzt denkt, mit so viel Lebensklugheit kann er doch jetzt zurückkommen, der hat doch gefunden, was er finden wollte, der kennt nicht die Durmitor Panoramic Road 2.
Von vielen Mitreisenden bestätigt ist dies eine orgiastische Strecke auf bis zun1900 Höhenmeter, deren Felsen und Berge, Hochebenen, Bäche, Wiesen, Graslandschaften, Gletscherseen, deren Nah- und Fernblicke zwischen Nebel und Sonnenschein zu vibrieren scheinen, deren ferne Gipfel versuchen, sich hinter deine Frontscheibe zu schmeicheln, dein Herz zu beleben, deinem Einatmen Unendlichkeit zu schenken, (Luft holen) … oder kurz, die Wucht dieser Landschaft haut dich um. Das hältst du nicht zweimal aus.
Jetzt nur noch einen kurzen Abstecher zum Briagodska Nationalpark, dann beginnt der Rückwegsblues
Der Rückweg:
Schon länger bin ich der Meinung, dass der Rückweg nicht mit dem Hinweg mithalten kann. Würde man die Reiseroute umkehren, wäre es nicht anders. Warum ist das so? Der Fokus verlagert sich, die Neugierde hält nicht Stand. Die Konzentration auf Neues verblasst.
Und was ist es überhaupt, das Zurückkommen? Ist es ein Können, ein Wollen, ein Sollen, ein Müssen? Warum will ich zurück zu meinem Gewohnten? Was ist schön an einem routinierten Leben, vor allem nach einer so offenen, überraschenden Reise mit all den Begegnungen, Erlebnissen und Sinnesexplosionen? Die Pflicht ruft?
Dann hör nicht immer hin.